Koli – eine aufstrebende Naturschönheit in Finnland

Koli – eine aufstrebende Naturschönheit in Finnland

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Finnisches Nationalheiligtum wird international: So übersetzen wir eine Fremdenverkehrsbroschüre ins Deutsche

 

Die ikonische Koli-Region in Ostfinnland ist im Ausland noch weitgehend unbekannt. Dies soll nun geändert werden. Um die Besonderheiten der Region den ausländischen Gästen   näher   zu   bringen   gibt   das   lokale   Fremdenverkehrsbüro  jährlich   eine Informationsbroschüre heraus. ScanLang erstellte dieses Jahr die Übersetzung ins Deutsche   –   auf   dem   Weg   zur   optimalen   Übersetzung   gab   es   ein   paar Herausforderungen. Im Folgenden wollen wir kurz beschreiben, wie die Übersetzung einer Fremdenverkehrsbroschüre einer aufstrebenden und international unbekannten Region abläuft.

Mit seinen schimmernden Seen und tiefgrünen Wäldern ist das Gebiet der Koli-Anhöhen das Sinnbild Urfinnlands für Ausländer wie auch für Finnen selbst. Das Gebiet wurde in zahlreichen Werken  der  finnischen  Romantik  besungen  und  bildlich  dargestellt,  was  wesentlich  zur Entstehung der Idee einer finnischen Nation beitrug. Die Aussicht vom höchsten Gipfel Ukko- Koli gehört zu den meistfotografierten Sujets in Finnland, und dementsprechend ist das Gebiet ein großer Touristenmagnet. Trotz Bilderbuchansichten ist Koli aber nach wie vor fest in finnischer Hand: von den gut 200.000 jährlichen Nationalpark-Besuchern sind über 150.000, d.h.  75 %,  inländische  Gäste  (zum  Vergleich:  in  der  ähnlich  auf  Outdoor-Aktivitäten ausgerichteten Region Wilder Kaiser in Tirol betrug der Anteil ausländischer Besucher 82 %).

 

Koli, die bekannte Unbekannte

Um mehr ausländische Gäste anzulocken, stellten die regionalen Tourismusentwickler vor einigen Jahren einen Masterplan für Koli auf. Als Gründe für das Fernbleiben einer großen Anzahl  ausländischer  Touristen  nannten  die  Autoren  interessanterweise  nicht  das  aus mitteleuropäischer Sicht Naheliegende: Die geographische Lage Kolis ist nachteilig für die Anreise:  Koli  liegt  dicht  an  der  russischen  Grenze  und  mehr  als  500  Kilometer  von  der Hauptstadt Helsinki entfernt. Außerdem gibt es keine direkte Zugverbindung zur finnischen Hauptstadt. Vielmehr sind die fehlenden Engpässe in der Bettenkapazität das Haupthindernis für den Ausbau des Tourismus: für die ganze Region Koli stehen nur ca. 2.300 Gästebetten  zur Verfügung. Außerdem wurde im Masterplant festgestellt, dass Koli schlicht und einfach nicht genug bekannt im Ausland ist. Als Ziel wurde gesetzt, Koli zu einem der fünf bekanntesten Sehenswürdigkeiten Finnlands zu machen – auch unter ausländischen Gästen. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Unternehmen mit zwei Angestellten gegründet. Das Unternehmen Kolin matkailu Oy kümmert sich demnach um die Vermarktung, um die Entwicklung des Fremdenverkehrsgewerbes in der Region und um Vermittlungs- und Beratungsleistungen im Tourismusbereich.  Das  Unternehmen  steht  im  Besitz  des  Vereins  zur  Förderung  des Fremdenverkehrs  in  der  Region,  was  die  Einbindung  der  Bevölkerung  und  die  positive Einwirkung auf die regionale Entwicklung gewährleisten soll.

 

Erfolge zeichnen sich ab

Die Strategie der langfristigen Entwicklungsarbeit mit Einbindung der lokalen Bevölkerung und der Wirtschaftstreibenden scheint allmählich aufzugehen: so verzeichnete die gesamte Region im  Juli  2019  einen  Besucherzuwachs  von  32 %.  Dass  die  Entwicklung  auch  anderen Wirtschaftstreibenden und der Bevölkerung zugute kommt, zeigen zum Beispiel das von der finnischen  Forstverwaltungsbehörde  kommerziell  betriebene  Naturzentrum  Ukko,  das  mit

63.000 Gästen so viel Besucher wie noch nie hatte, und das lokale Lebensmittelgeschäft Sale im Dorf Koli, das in diesem Sommer den besten Umsatz aller Zeiten hatte. Die Beteiligten führen dies auf die konsequente Arbeit mit gezielten Werbekampagnen und dem Fokus auf die Zielgruppe der einkommensstarken Familienhaushalte mit Kindern sowie im Ausland auf die Zielgruppe der Gäste aus Russland und der Schweiz zurück. Geworben wird vor allen mit unberührter Natur und den damit verbundenen Outdoor-Aktivitäten sowie mit der hohen Sicherheit der Region. Mit dieser positiven Entwicklung im Hintergrund haben die regionalen Tourismusfachleute nun den ehrgeizigen Plan gefasst, die Kapazitätsengpässe durch den Bau eines großen Hotels mit 1.200 Betten zu bekämpfen – viele Beherbergungsbetreiber mussten ja dieses Jahr mehrmals vermelden, dass sie komplett ausgebucht sind.

 

Koli auf Fremdsprachen

Neben  Russisch  ist  Englisch  diejenige  Sprache,  die  zur  allgemeinen  Abwicklung  der schriftlichen Gästekommunikation verwendet wird. Bei der Übersetzung der Gesamtbroschüren muss dies berücksichtigt werden: die englische Version soll weder ausgeprägt Britisch noch ausgeprägt amerikanisch klingen. Vielmehr ist es wichtig, dass sie auch für Gäste mit einer anderen Muttersprache als Englisch verständlich ist, da zum Beispiel Sprachen wie Spanisch und Französisch fehlen und Gäste aus diesen Ländern mit der englischen Übersetzung bedient werden. Für das Deutsche wiederum gilt die Qualität als die höchste Priorität, sind ja Deutsche, Schweizer und Österreicher als wohlhabende und qualitätsbewusste Touristen bekannt.

 

ScanLang übernahm die Übersetzung der Gesamtbroschüre der Region ins Deutsche. Wie bei Fremdenverkehrstexten üblich, waren einige Teile bereits in den Vorjahren übersetzt worden, und die neuen Übersetzungen sollten in die bestehende Vorlage eingebaut werden. Damit das Endergebnis   trotzdem   einheitlich   bleibt,   machten   wir   uns   zuerst   mit   den   früheren Übersetzungen und der in ihnen angewandten Übersetzungsstrategie   vertraut.

Grundsatzfragen,  die  am  Anfang  jeder  professionell  durchgeführten  Übersetzungsarbeit stehen, sind zum Beispiel inwieweit man die Angaben und Informationen lokalisieren soll, wie man mit Namen umgeht und wie man kulturelle Besonderheiten am besten übersetzt.

 

Für die deutschsprachigen Reisenden behielten wir in der Regel die finnischen Namen bei und fügten,  wenn  der  Betriebszweck  der  Einrichtung  nicht  am  Namen  ersichtlich  war,  die Übersetzung ins Deutsche hinzu. So wissen die deutschsprachigen Gäste, worum es sich handelt, und finden sich gleichzeitig auch vor ganz konkreten Hinweistafeln zurecht.

 

Kulturelle Besonderheiten sind eigentlich nicht schwierig zu übersetzen – wenn man dafür genug Platz hat, um diese ausführlich zu erklären. Bei einer mehrsprachigen Broschüre ist dies fast nie der Fall. Bei der Koli-Broschüre hatten wir mit diversen Outdoor-Aktivitäten zu tun, die besonders für Firmen und Organisationen angeboten werden, wie tiimirataund tehtävärata. Die direkten Übersetzungen „Teambahn“ und „Aufgabenbahn“ hätten wohl nur Verwunderung hervorgerufen. Deswegen gingen wir bei der Übersetzung einen Schritt zurück und erklärten, was damit gemeint war: gemeinsam im Team zu lösende Aufgaben und Schnitzeljagdstrecken. Grundsätzlich müssen Übersetzer vermeiden, dass sie bei der Übersetzung nicht unabsichtlich ins Fettnäpfchen treten oder im „Übersetzungs-Gruselkabinett“ landen. Auch hier gab es einige solche potenzielle Fallstricke, wie die für ländliche Beherbergungsunternehmen wirtschaftlich bedeutende leirikoulu– in schlechteren skandinavischen Übersetzungen findet man tatsächlich ab und zu die wörtliche Übersetzung Lagerschule, welches eher Kriegswirren und Schrecken in Erinnerung bringt als anregende Momente in der Natur. Gemeint ist also das, was man in den deutschsprachigen Ländern Landschulwocheoder Projektwochenennt.

 

Nach der eigentlichen Übersetzungsarbeit kam die Phase der Qualitätssicherung: eine zweite Übersetzerin las die Übersetzung sorgfältig durch und prüfte sie auf etwaige Grammatik- und Rechtschreibfehler und machte Vorschläge, wie man den Textfluss vielleicht noch optimieren könnte. Als letzten Schritt nahmen wir die gesamte Broschüre, also die von uns übersetzten Teile und die bereits bestehenden, in die Hand und vergewisserten uns, dass das Ergebnis einheitlich ist. Denn schließlich ging es darum, worum es bei touristischen Übersetzungen immer geht: dem Gast Informationen in einer angenehmen Form zu bieten, die ihn zur Erkundung der Gegend und der lokalen Anbietern von Dienstleistungen animiert.

 

Das letzte Glied der Kette ist aber immer in der natürlichen Umgebung, in der die Gäste Beratung vor Ort benötigen. Und so kamen die von ScanLang übersetzten Broschüren in das wunderschöne  Holzhaus  des Fremdenverkehrsbüros, inmitten der üppigen Natur

Nordkareliens.  Frau Anne  Kasurinen,  die das Büro  in  mehreren  Sprachen  betreibt,  hatte ScanLang   während   des   gesamten   Projektes   optimal   betreut.   Durch   die   nahtlose Zusammenarbeit haben wir nun eine Broschüre, die sowohl Koli Tourismus als auch ScanLang gerne zeigt – fragen Sie doch nach ihrem Exemplar, wenn Sie in der Gegend sind.

 

www.koli.fi 

 

www.scanlang.at

 

 

Quelle: ScanLang GmbH


Foto: “Koli, wie die Finnen es kennen”


Fotocredit: ScanLang GmbH

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