Investments in Chancengleichheit der Geschlechter – Interview mit Hans Selleslagh

Investments in Chancengleichheit der Geschlechter – Interview mit Hans Selleslagh

Foto: “Hans Selleslagh, Österreich-Sprecher der Investmentgesellschaft Freedom Finance Europe” / Fotocredit & Quelle: © Freedom Finance Europ

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Interview mit Hans Selleslagh, dem Österreich-Sprecher der Investmentgesellschaft Freedom Finance Europe: 

„Geschlechtervielfalt in Führungsetagen sorgt für höhere Effizienz und bessere finanzielle Unternehmensergebnisse“

 

Diskussionen darüber, wie der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden kann, gibt es schon eine ganze Weile. Während es diesbezüglich in manchen Unternehmen noch sehr viel zu tun gibt, sind andere bereits auf einem ziemlich guten Weg. Die Chancengleichheit der Geschlechter ist auch aus der Investmentperspektive spannend, wie Hans Selleslagh, Österreich-Sprecher der Investmentgesellschaft Freedom Finance Europe, im Interview erklärt.   

 

Dass ihnen gleiche Chancen für alle wichtig sind, sagen viele Unternehmen, doch manchmal bleibt es leider auch bei Lippenbekenntnissen. Gibt es Beispiele für nennenswerte Gleichstellungsinitiativen?

Hans Selleslagh: In einer sich ständig verändernden Arbeitswelt setzen sich viele Unternehmen aktiv für die Gleichstellung der Geschlechter ein und unternehmen konkrete Schritte. Abbott beispielsweise hat ein umfassendes einjähriges Mentorenprogramm zur Förderung von Talenten eingerichtet, das vor allem Frauen und insbesondere Müttern die Möglichkeit geben soll, ihr Potenzial innerhalb des Unternehmens voll auszuschöpfen. Ein weiteres Paradebeispiel ist Aramark: Das Unternehmen hat in den letzten Jahren wichtige Initiativen ergriffen, um eine Kultur der Inklusion und Unterstützung von Frauen zu fördern. Mit diesem Bestreben ist Aramark nicht alleine. Zahlreiche andere Firmen, darunter Accenture PLC, Adobe Inc., Advanced Micro Decises, Allianz, American Express Co, Aviva PLC, AXA SA und Bank of America Corp führen ebenfalls den Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter.

 

Abgesehen von mehr Fairness, wie wirkt sich gelebte Chancengleichheit der Geschlechter auf die wirtschaftliche Performance von Unternehmen aus?

Selleslagh: Tatsächlich steht die geschlechtsspezifische Vielfalt in den Führungsetagen von Unternehmen empirisch gesehen in Zusammenhang mit einer besseren finanziellen Leistung. Unternehmen, die über vielfältige Führungsteams verfügen, weisen im Vergleich zu ihren weniger vielfältigen Konkurrenten einen um 48 Prozent höheren Betriebsgewinn, eine um 42 Prozent höhere Umsatzrendite und einen um 45 Prozent höheren Gewinn pro Aktie auf. Unternehmen, die es mit der Chancengleichheit ernst meinen und Diversität abbilden, steigern nicht nur ihre Gewinne überdurchschnittlich, sondern weisen auch eine höhere Produktivität auf und sind innovativer. Die Basis für eine fundierte Entscheidungsfindung ist breiter und die Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit in der Regel besser.

 

Welche Möglichkeiten haben Investorinnen, um in die Chancengleichheit der Geschlechter und damit tendenziell eine Stärkung der Position von Frauen zu veranlagen?

Selleslagh: Hier stellen beispielsweise geschlechterdiverse börsengehandelte Fonds (ETFs) eine Möglichkeit dar. Der SPDR SSGA Gender Diversity Index ETF (SHE) ist auf diesem Prinzip aufgebaut und bietet ein Engagement in US-Unternehmen mit einer starken Geschlechtervielfalt in den Führungsetagen – jeweils im Vergleich zu anderen Unternehmen des jeweiligen Sektors. Im Gesamtjahr 2023 lag der Fonds um 29 Prozent im Plus. Allerdings ist auch diese Art der Anlage nicht immun gegen Korrekturen, von November 2021 bis Oktober 2022 verzeichnete er einen Rückgang um 33 Prozent. Doch die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Merkmale bei der Anlage bietet in jedem Fall die Möglichkeit, wettbewerbsfähige Renditen zu erzielen, das unterstreicht das Vorjahr. Investments in die Chancengleichheit sind nicht bloß ein moralisches Gebot, sondern auch eine pragmatische Investitionsstrategie. Wichtig dabei ist, auch potenzielle Risiken zu identifizieren und sicherzustellen, dass die Investments mit den eigenen Anlagezielen übereinstimmen.

 

Gibt es Beispiele von Unternehmen auf dem Aktienmarkt, in denen sich Geschlechtervielfalt explizit im Vorstand widerspiegelt?

Selleslagh: Ja die gibt es, so verkörpern etwa General Motors, Nvidia, Amazon, Meta, Apple, Microsoft, Citigroup, Procter & Gamble, Nielsen und Merck diese Ideale, indem die Frauenquote in Vorständen 40 Prozent und darüber beträgt und wichtige Ausschüsse von Frauen geleitet werden.

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