Bures präsentiert Gender Booklet 2008
Frauenanteil in außeruniversitärer Forschung leicht gestiegen – Sprunghafter Anstieg der Väterkarenz, Einkommensunterschiede sind gravierend
Der Frauenanteil unter dem wissenschaftlichen Personal der außeruniversitären naturwissenschaftlich-technischen Forschung ist 2008 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, der Anteil der Väter in Karenz hingegen sprunghaft von knapp 3 auf 20 Prozent.
Das geht aus der “Gender Booklet”-Erhebung 2008 des BMVIT und der Forschung Austria hervor. Zugleich wird durch eine völlig neue Erhebungsmethode erstmals deutlich, dass allein aufgrund des Geschlechts die Einkommensunterschiede gravierend sind: bei gleicher Qualifikation und Funktion, gleichem Ausmaß der Beschäftigung, gleicher Anstellungsdauer und Alter verdienen weibliche Wissenschafterinnen allein auf Grund ihres Geschlechts pro Monat um 150 Euro, das sind pro Jahr 2.100 brutto, weniger als ihre männlichen Kollegen.
“Wenn wir uns zum Ziel setzen, in die Top 3 der innovativsten Volkswirtschaften Europas aufzusteigen, müssen wir uns bewusst sein, dass wir dazu alle klugen Köpfe brauchen, die der Männer genauso wie die der Frauen”, sagt Infrastrukturministerin Doris Bures. Sie will weiterhin das Bewusstsein schärfen, dass es nicht nur unfair, sondern auch in höchstem Ausmaß unwirtschaftlich ist, auf das Potenzial der Frauen zu verzichten.
In ihrem Ressort setzt Bures auf viele verschiedene Programme, die Mädchen und junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Berufe begeistern sollen. Laut “market” ist bei Mädchen das Interesse für Technik mit 15 Prozent noch wie vor weit geringer als bei den Burschen mit 44 Prozent.
Als Ursachen werden neben Informationsdefiziten auch immer noch vorherrschende Rollenklischees ausgemacht. Das BMVIT unterstützt mit einer Reihe von Projekten junge Forscherinnen und Forscher mit jährlich elf Mio. Euro, von der Forscherecke im Kindergarten bis zum Diplomantenstipendium, von Praktikumsplätzen in Forschungsunternehmen bis zum Aufsatz-Wettbewerb. Viele Schwerpunkte liegen dabei auf der Förderung junger Mädchen.
Das Programm FEMtech umfasst zahlreiche Initiativen, von der Förderung rein frauenspezifischer Forschungsprojekte über das Sichtbarmachen von Vorbildern durch die “FEMtech-Expertin des Monats” bis zur FEMtech-Expertinnen-Datenbank.
Unter anderem hat Ministerin Bures auch den Staatspreis Chancengleichheit ins Leben gerufen, der heuer zum ersten Mal an forschungs- und entwicklungsintensive Unternehmen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen vergeben wird, um die Rahmenbedingungen für Wissenschafterinnen und Forscherinnen im Betrieb zu verbessern und Vorbildfunktion für andere Betriebe zu geben.
Weitere Daten aus dem Gender Booklet 2008:
Mit 21,1 Prozent im Jahr 2008 ist im Vergleich zu 2007 (20,6 Prozent) ein geringer Zuwachs am Gesamtanteil an Frauen unter den wissenschaftlich beschäftigten MitarbeiterInnen zu verzeichnen. Von insgesamt 2.327 Beschäftigten sind 492 Frauen. Nur zwei Prozent aller Forscherinnen arbeiten in Führungsfunktionen.
Wissenschafterinnen, die Vollzeit beschäftigt sind, verdienen um 17,9 Prozent weniger als männliche Wissenschafter. 24,4 Prozent beträgt der Unterschied, wenn auch die in Teilzeit arbeitenden WissenschafterInnen mitgerechnet werden.
Insgesamt ist das Ausmaß an Vollzeitbeschäftigung bei beiden Geschlechtern leicht rückläufig. Mit 40 Prozent arbeiten Frauen dennoch weit häufiger Teilzeit als Männer, ihr Anteil beträgt nur rund 18 Prozent. 2007 waren 34 Prozent aller Frauen teilzeitbeschäftigt.
Einen sprunghaften Anstieg gibt es bei der Väterkarenz: 2008 waren von allen WissenschafterInnen in Karenz 20 Prozent Männer. 2007 waren es noch knapp 3 Prozent.
Das Gender Booklet ist ein jährlicher Monitoring-Bericht zur Chancengleich von Frauen und Männern in außeruniversitären naturwissenschaftlich-technischen Forschungseinrichtungen. Es ist ein gemeinsames Projekt des BMVIT-Programms FEMtech und der Forschung Austria.