Hochhauser zur Einkommensschere:

Hochhauser zur Einkommensschere:

Objektive Unterschiede führen zu Lohndifferenzen – Wirtschaftskammer gegen weitere Belastungen für Betriebe.

“Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen hat sich stark verringert, wenn man berücksichtigt, dass Frauen oft andere, nämlich schlechter bezahlte, Berufe wählen als Männer und es auch bei Ausbildung, Arbeitszeit, Beschäftigungsdauer und in puncto Erwerbsunterbrechungen deutliche Unterschiede gibt. Das zeigen auch die Einkommensberichte der Unternehmen”, stellt Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), anlässlich des für morgen, Samstag, ausgerufenen “Equal Pay Day” fest.

Auch weiche Faktoren spielen eine Rolle: Während Männer besonderen Wert auf ihr Gehalt legen, ist Frauen oft die Arbeits- und Lebensqualität wichtiger, weshalb sie bei Gehaltsverhandlungen andere Prioritäten setzen – und mit den Ergebnissen offensichtlich zufrieden sind. So ist die Arbeitszufriedenheit bei Frauen höher als bei Männern, wie der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer seit vielen Jahren ausweist.

Nicht zuletzt verzichten Frauen auf ihre einkommensbesten Jahre, wenn sie früher in Pension gehen. “Das niedrigere Pensionsalter – wir sind hier EU-Schlusslicht – ist ein finanzieller Bumerang für die
Frauen. Eine raschere Angleichung an die Männer würde nicht nur Einkommen und Pensionen anheben, sondern auch Budgetmittel für Zukunftsinvestitionen zugunsten von Frauen freimachen, etwa für mehr Kinderbetreuungseinrichtungen”, schlägt Hochhauser vor.

Dass internationale Statistiken nach wie vor eine höhere Einkommensschere für Österreich ausweisen, liege daran, so Hochhauser, “dass dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden”: In Ländern mit hoher Frauenbeschäftigungsquote wie Österreich, die Niederlande, Finnland, die Schweiz und Deutschland gibt es statistisch höhere Unterschiede zwischen Frauen- und Männereinkommen als etwa in Malta, Italien oder Griechenland. “Dort gehen viel weniger Frauen überhaupt einer Arbeit nach, sind dafür aber höher qualifiziert.”

Weitere gesetzliche Belastungen für die Betriebe lehnt die WKÖ ab. “Die Wirtschaft hat in den letzten Jahren eine Reihe von Belastungen wie Einkommensberichte, Lohnangaben in Stelleninseraten und höhere Strafen akzeptiert. Nun reicht es”, stellt Hochhauser klar.  Auch ein höherer einheitlicher Mindestlohn kommt für die die Wirtschaft nicht in Frage und wäre ein Bärendienst gerade für Frauen:
Statistisch würden einige Löhne steigen, viele Frauen würden aber ihre Jobs verlieren. Ein Frisör verdient pro Stunde nicht viel mehr als seine Angestellten, bei einer abrupten Lohnsteigerung würde sich eine Beschäftigung für ihn kaum noch rechnen.

“Außer bei selbständigen Schwangeren, die weniger Wochengeld erhalten als Arbeitnehmerinnen, ist die Gleichheit an Chancen und Rechten umgesetzt”, so die WKÖ-Generalsekretärin. Nun gelte es, diese
Chancen auch zu nützen und dazu gehöre in erster Linie, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass Familie und Beruf vereinbar sind. Hochhauser abschließend: “Die Wirtschaftskammer tritt daher für einen raschen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und für eine flächendeckende Berufsorientierung für Jugendliche ein. Im Gegensatz zu anderen wollen wir aber niemandem vorschreiben, wie sie oder er das Berufs- und Privatleben gestaltet”, schließt Hochhauser. (SR)

Quelle: APA OTS
 

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