Rohstoffe im Wert von 1,1 Milliarden Euro könnten aus Alt-Handys recycelt werden
@frauenbusinessatalexa | Wien 2025 | Werbung.Unbezahlt.
Europäischer Rohstoff-Schatz
Erst im Mai hat refurbed, gemeinsam mit Fraunhofer Austria Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass wir in Europa auf 642 Millionen Altgeräten sitzen, von denen sich ein Drittel in einen zweiten Lebenszyklus reparieren lassen würde. Doch was passiert mit den restlichen 431 Millionen Handys, die irreperabel und nicht refurbishbar sind? Ihr Materialwert liegt laut Fraunhofer Austria bei rund 1,1 Milliarden (!) Euro. Eine Rückführung dieser Rohstoffe in den Wirtschaftskreislauf könnte die Rohstoffabhängigkeit der EU verringern – aber dafür müssen die Geräte raus aus den Schubladen und hin zum Recycler!
Würden alle Geräte, die nicht mehr erneuert werden können, in Europa professionell recycelt werden, könnten laut Fraunhofer Austria in der von refurbed beauftragten Studie
- mehr als 5.000 Tonnen Kobalt
- 129 Tonnen Magnesium,
- 431 Tonnen Zinn,
- 43 Tonnen Wolfram,
- 1 Tonne Palladium und
- 9 Tonnen Gold
gewonnen und in die europäische Wertschöpfungskette zurückgeführt werden. Der Materialwert dieser Metalle liegt laut den Berechnungen von Fraunhofer Austria bei insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro (Rohstoffpreise Stand: 02/2025).
Das österreichische Rohstoff-Potenzial
Auch die Zahlen für Österreich sind beeindruckend: Denn in unseren Haushalten liegen in etwa gleich viel ausrangierte Smartphones, wie wir Einwohner:innen zählen: 9,3 Millionen Altgeräte verstauben in österreichischen Schubladen, in denen wir mehr als 113 Tonnen Kobalt, 186 kg Gold, 9,3 Tonnen Zinn, 930 kg Tonnen Wolfram, rund 2,8 Tonnen Magnesium und 27,9 kg Palladium finden würden. Der Gesamt-Metall-Materialwert dieser ausrangierten Smartphones in Österreich beträgt 33 Millionen Euro (Rohstoffpreise Stand: 02/2025).
1 Tonne E-Waste hat höhere Konzentration als 1Tonne erzhaltige Erde
„Uns ist es wichtig, dieses Wirtschaftspotenzial aufzuzeigen, auch wenn wir keinen direkten Nutzen daraus ziehen. Aber unsere Vision bei refurbed war immer, den Konsum insgesamt nachhaltiger zu machen. Und da gehört neben der Frage ‚Was können wir wiederaufbereiten?‘ eben auch die Frage dazu: ‚Was machen wir mit den Rohstoffen, wenn Produkte nicht mehr erneuerbar sind?‘“, so Kilian Kaminski, Co-Founder von refurbed, über seinen Beweggrund, die Recycling-Zahlen zu veröffentlichen. Und auch der Studienautor von Fraunhofer Austria, Paul Rudorf, unterstreicht die wirtschaftliche Dimension der Ergebnisse: „Die Metallkonzentration in einer Tonne Elektroschrott kann jene in einer Tonne erzhaltiger Erde, aus der diese Metalle durch konventionellen Bergbau gewonnen werden, deutlich übersteigen. In alten Smartphones zu ‘schürfen’ kann daher lohnenswert sein.“
Recyclingquote in Europa ausbaufähig – bislang nur 10 %
Nur ein Bruchteil der in ungenutzten Smartphones gebundenen Ressourcen wird aktuell wiedergewonnen. Die weltweite Recyclingquote für Smartphones liegt bei nur 7,5 %*, in Europa bei rund 10 % der Altgeräte**. Der Großteil der Altgeräte wird illegal exportiert oder verbleibt in den Haushalten. „Parallel zu diesen Zahlen verschärft sich die Rohstoffabhängigkeit der EU gegenüber anderen Ländern, während Millionen von alten Handys aus Nostalgie oder Ratlosigkeit in den Schubladen herumliegen“, so Kaminski. „Wir müssen einsehen, dass wir durch die Uralt-Handys, die in unseren Schubladen verstauben, aktiver Teil des E-Waste-Problems sind, da wir Ressourcen blockieren, die für die Wiedergewinnung zur Verfügung stünden. Nur wenn wir das Ding in die Hand nehmen und zum Recycler bringen, werden wir unseren Rohstoffbedarf senken“, so Kaminski.
Unmengen an heiklen Rohstoffen für Smartphones
Für die Herstellung neuer Elektronikgeräte werden große Mengen an Rohstoffen benötigt – darunter sogenannte „Critical Raw Materials“ (CRM) und „Conflict Materials“ (CM). Die Verfügbarkeit dieser seltenen Rohstoffe ist aufgrund begrenzter Vorkommen limitiert, was die EU in eine strategische Abhängigkeit zu Rohstofflieferanten weltweit bringt.
Critical Raw Materials (CRM) – wie z.B. Kobalt, Kupfer, Magnesium oder Palladium – werden aufgrund ihrer hohen wirtschaftlichen Bedeutung und des Risikos einer eingeschränkten Versorgung von der EU definiert. Conflict Materials (CM) – wie z.B. Zinn, Tantal, Wolfram und Gold – werden häufig unter prekären Bedingungen in Konfliktregionen abgebaut und finanzieren dort bewaffnete Gruppen, was schwerwiegende soziale Folgen nach sich zieht. Der Abbau dieser Konfliktmaterialien verursacht zudem erhebliche ökologische Schäden – von der Zerstörung von Lebensräumen bis zur Kontamination von Böden und Gewässern.
Rohstoff-Daten im Detail
Ein durchschnittliches Smartphones, wie z.B. das iPhone 12, (160 g Gesamtgewicht, davon rund 43 g verbaute Metalle) – beinhaltet folgende Mengen an kritischen Rohstoffen – Kobalt, Magnesium und Palladium – und an Konfliktrohstoffen – Zinn, Wolfram und Gold***
|
Kritischer Rohstoff (CRM) |
Menge |
anteilig |
|
Kobalt |
12,2 g |
28,6% (des Metallanteils) |
|
Magnesium |
0,3 g |
0,7% |
|
Palladium |
0,003 g |
0,01% |
|
Konfliktrohstoff (CM) |
|
|
|
Zinn |
1 g |
2,3% |
|
Wolfram |
0,1 g |
0,2% |
|
Gold |
0,02 g |
0,1% |
* B. Bookhagen und D. Bastian, „Metalle in Smartphones,“ Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, 2020.
** „Disposal of ICT devices no longer in use,“ 17 Dezember 2024.
*** Fraunhofer Austria im Auftrag von refurbed: Potenzial ungenutzter Smartphones in europäischen Haushalten