Jahresvorschau 2024 – Künstlerhaus Vereinigung
Überblick über das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm
Bis 18.2. können unsere Besucher*innen einen Rundgang durch die Ausstellung SYSTEMRELEVANT genießen. Die Schau ist eine Standortbestimmung des neuen künstlerischen Leiters, Günther Oberhollenzer, eine bewusst persönliche und auch programmatische Schau, um mit den Mitteln einer Ausstellung darüber nachzudenken, was ein (analoger) Kunstraum im 21. Jahrhundert sein kann. SYSTEMRELEVANT lebt Diversität als Selbstverständlichkeit, spartenübergreifendes Denken und partizipative Projekte werden als bedeutsam und bereichernd begriffen. Bei der letzten Kuratorenführung am 2.2., 16:30 Uhr kann mehr über die Hintergründe, Entstehungsgeschichte und Themen der Ausstellung erfahren werden.
Die witzigen und spannenden Geschichten der Comic-Biografien von Willi Blöss können weiterhin in einer Präsentation vor dem Salon entdeckt werden. 1998 entwarf Willi Blöss das Konzept einer 24-seitigen „Comic-Biografie”. Bis heute sind 43 Künstler*innenbiografien erschienen, in denen Leben und Werk wichtiger Künstler*innen in zeitgemäßer Form mit künstlerischen Mitteln vermittelt werden.
VORSCHAU
Jahresthema: Vielfalt
Die Hauptausstellungen des Jahres 2024 stehen unter dem Thema VIELFALT. In den drei Ausstellungen wird der Begriff auf sehr unterschiedliche Weise interpretiert. AUF DEN SCHULTERN VON RIESINNEN zeigt eine Vielfalt, die lange Zeit zu wenig gesehen wurde: das Werk von Künstlerinnen in Vergangenheit und Gegenwart; WUNDERKAMMER feiert die beeindruckende Vielfältigkeit der Künstlerhaus Mitglieder in ihren Medien, Themen und Ausdrucksformen und lässt uns staunen; SUBSTANZ zeigt anschließend das Engagement von Künstler*innen, die ihr Schaffen eng mit einem gesellschaftlichen Handeln verschränken – eine Vielfalt an künstlerischer Produktion, die die Definition des Kunstbegriffs immer wieder neu auslotet.
In jüngerer Zeit trat das künstlerische Schaffen von Frauen verstärkt an die Öffentlichkeit – ebenso wie die Hindernisse, die Künstlerinnen einst viel stärker als heute überwinden mussten. Im 21. Jahrhundert mangelt es Künstlerinnen jüngerer und mittlerer Generationen nicht mehr an Role Models. Wie reflektieren Künstlerinnen einer jüngeren und mittleren Generation heute weibliche Kreativität? Wie schreiben sie sich mit ihrer eigenen künstlerischen Arbeit in eine Genealogie von Künstlerinnen ein? Wie ist ihr Blick auf jene, die lange Zeit von der Geschichtsschreibung ignoriert, vergessen oder sogar aktiv aus der Erzählung verbannt wurden? Wie setzen sie sich ins Verhältnis zu ihren Vorfahrinnen und Vorkämpferinnen, zu jenen, die in der bildenden Kunst, aber auch in anderen künstlerischen Sparten tätig waren? Die von Nina Schedlmayer, unterstützt von Anna Mustapic, kuratierte Ausstellung AUF DEN SCHULTERN VON RIESINNEN (9.3.–9.6.2024) soll Fragen wie diese beleuchten.
Inspiriert von historischen Kunst- und Wunderkammern geht die Mitgliederausstellung 2024 der Frage nach, was uns heute noch staunen lässt. Zeitgenössischer Kunst haftet oft das Vorurteil an, abgehoben, elitär und unverständlich zu sein. Doch noch nie war die Kunst so vielfältig in ihren Medien, Themen und Ausdrucksformen wie in unserer multimedialen Gegenwart. So gibt es eine große Bandbreite an künstlerischen Werken, die uns über visuelle (oder auch akustische) Reize verführen, berühren und in den Bann ziehen können. Dem wird in der von Günther Oberhollenzer, unterstützt von Melanie Brandstetter, kuratierten Schau WUNDERKAMMER (28.6.–29.9.2024) Rechnung getragen mit einem bewussten Bekenntnis zu Sinnlichkeit und Emotion und einem facettenreichen Ausstellungsparcour, der die große Bandbreite an Künstler*innen der Künstlerhaus Vereinigung zeigen möchte. Ausladend und farbenfroh, verspielt und heiter, aber auch irritierend und überraschend, geheimnisvoll und nachdenklich stimmend.
Die Ausstellung SUBSTANZ (1.11.2024–9.2.2025) verweist auf die Basis, aus der wir entstehen: unsere Menschlichkeit, unsere soziale Eingebundenheit und unseren Willen zu schaffen und so das eigene Selbst mit seiner individuellen Positionierung in die Welt zu tragen. In exemplarischer Herangehensweise stellt die von Christian Bazant-Hegemark und Esther Mlenek kuratierte Ausstellung nationale wie internationale Kunstschaffende und Kulturakteur*innen vor, die in ihrer Produktion und/oder in privaten Initiativen in gesellschaftliches Handeln gehen. Ihre Kunst und ihr Engagement möchte Wissen vermitteln und emotionale Prozesse anregen – will aufrütteln, Trost spenden und Hoffnung geben. So bilden einige Künstler*innen beispielsweise Communities und rufen Kampagnen oder Förderprojekte ins Leben. Andere nutzen ihre spezifische künstlerische Ausdrucksweise, um die Öffentlichkeit für dringliche Themen zu sensibilisieren, in Dialog zu treten und selbst Haltung zu beziehen.
FACTORY
Die Factory im Künstlerhaus ist ein zentraler Ort für Austausch und Experiment. Die wechselnden Ausstellungs-Projekte bieten Raum für Dialog und vielfältige Themen sowie künstlerische Praktiken.
Die von Rhea Tebbich und Hans Werner Poschauko kuratierte Schau MARIA LASSNIG. SELBST ALS KAMERA (22.3.–14.4.2024) zeigt eine Auswahl des Filmwerkes Lassnigs vor dem Hintergrund ihres malerischen und poetischen Schaffens in den USA. In ihren Filmen zeigt sich ihr unverwechselbarer Blick auf die Welt und die ihr innewohnenden Menschen, Tiere und Gegenstände, aber vor allem auf sich selbst. Es offenbart sich ein intimer Blick auf Maria Lassnig – durch ihre eigene Linse. In Kooperation mit dem Stadtkino im Künstlerhaus, anlässlich der Prämiere von Mit einem Tiger Schlafen (Anja Salomonowitz, 2024) in Wien, laden wir am 14. April, ab 11 Uhr zur Führung, Filmscreening und anschließender Gesprächsrunde mit Michael Loebenstein (Filmmuseum), Hans Werner Poschauko & Rhea Tebbich (Kurator*innen) und Anja Salomonowitz (Filmemacherin) ein.
Im Rahmen der Klima Biennale 2024 dürfen wir das von Anke Armandi, Maria Grün und Lena Knilli kuratierte Projekt KUBUS III (3.5.–20.5.2024) präsentieren. Die Ausstellung mit den Positionen von Michael Goldgruber und Markus Guschelbauer ist Ausgangspunkt für einen Open Call: Personen aus der künstlerischen Praxis sind eingeladen, auf diese mit Werken anderer Künstler*innen zu reagieren, die Ausstellung in der Factory des Künstlerhauses zu ergänzen und den Gesprächsraum zu erweitern.
Zusätzlich werden zahlreiche Projekte (Ausstellungen, performative Settings, Abendveranstaltungen) von Mitgliedern der Künstlerhaus Vereinigung geplant und umgesetzt.
Etablierte Veranstaltungsreihen werden weitergeführt: Unter anderem die von Michael Fischer kuratierte Konzertreihe ROTOR, der Film- und Gesprächsabend TALKING SCREEN in Kooperation mit sixpackfilm und das von Martina Tritthart und Holger Lang kuratierte FREIE KINO in Kooperation mit dem Stadtkino im Künstlerhaus.
Kunstvermittlung
Die Kunstvermittlung mit Angeboten für alle Altersklassen ist eines der Markenzeichen des Künstlerhauses. Dabei steht der künstlerische, aktive, kreative Prozess im Mittelpunkt. Wie im Ausstellungsprogramm geht es bei allen Vermittlungsangeboten um die Vielfalt künstlerischer Zugänge – übersetzt in Formen der Kreativität und des aktiven Gestaltens.
Das vielfältige Programm umfasst regelmäßige Ausstellungsrundgänge in unterschiedlichen Formaten sowie ein reiches Angebot an kreativen Workshops in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Künstlerhauses. Diese sind in allen Bereichen der bildenden Kunst tätig: Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Film, Audio, Fotografie. Der aktive Austausch mit Künstler*innen ermöglicht den Teilnehmer*innen einen einzigartigen, authentischen Einblick in die Welt der bildenden Kunst und stellt eines der Merkmale der Vermittlung im Künstlerhaus dar.
Auch barrierefreie Vermittlungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden laufend ergänzt. Die erfolgreichen Rundgänge und Kreativworkshops in verständlicher Sprache werden weitergeführt. Ein neues Angebot im Rahmen der barrierefreien Kunstvermittlung sind Führungen und Workshops für Menschen mit Demenz sowie Ausstellungsrundgänge für Menschen mit Seebeinträchtigung. Im Mittelpunkt der Workshops stehen leicht zugängliche Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst. Wechselnde Ausstellungen der Vereinigung spielen dabei eine wesentliche Rolle und ermöglichen unterschiedliche Schwerpunkte und neue Zugangsmöglichkeiten.
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