Ein Abnehmhormon gegen Übergewicht

Ein Abnehmhormon gegen Übergewicht

Foto & Fotocredit & Quelle: © Dr. Florian Kiefer

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Anlässlich des Welt-Adipositas-Tages am 4. März stehen neue Therapiemöglichkeiten für Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (Adipositas) im Rampenlicht. Eine der größten medizinischen und gesundheitspolitischen Herausforderungen in den Industrie- und Schwellenländern ist die Bekämpfung der Adipositas. Bisher gibt es kaum medikamentöse Therapien. Für Patienten mit Adipositas stellt eine langfristige Gewichtsreduktion häufig eine große Herausforderung dar. Konservative Maßnahmen wie Diäten sind manchmal nur vorübergehend erfolgreich und sorgen bei Rückschlägen für zusätzliche psychische Belastungen. Dabei liegt es oftmals nicht alleine an der mangelnden Disziplin der Betroffenen, weiß Florian Kiefer von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universität Wien: „Das Gehirn merkt sich das letzte Höchstgewicht und versucht dieses wieder zu erreichen, indem der Energieverbrauch gedrosselt wird und das Hungergefühl steigt.“

 

Neue Therapiemöglichkeit
Eine vielversprechende Möglichkeit im Kampf gegen Adipositas stellt das Darmhormon Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) dar. GLP-1 ist kein Unbekannter, es wird von den Darmzellen nach Aufnahme kohlehydratreicher Nahrung ins Blut ausgeschüttet und bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen nicht zu stark ansteigt, indem es die Insulinfreisetzung in der Bauchspeicheldrüse stimuliert. Da GLP-1 normalerweise innerhalb weniger Minuten vom Körper abgebaut wird, suchten Wissenschaftler nach einer Alternative und wurden im Speichel der seltenen nordamerikanischen Krustenechse fündig, wo sie ein dem menschlichen GLP-1 ähnliches Hormon entdeckten. Das Hormon aus dem Speichel der Echse wurde daraufhin als GLP-1 Agonist synthetisch hergestellt und zur Behandlung von Typ 2 Diabetes eingesetzt. Die Folge war ein regelrechter Siegeszug dieser hormon-ähnlichen Substanzen, da diese nicht nur erhöhte Blutzuckerspiegel senken, sondern auch zu einer deutlichen Gewichtsreduktion führen.

Hormon unterdrückt Hungergefühl
Die gewichtssenkenden Effekte von GLP-1 Agonisten sind dabei in erster Linie auf eine Hemmung des Appetits im Gehirn und eine Verzögerung der Magenentleerung zurückzuführen. „Die Patienten haben dadurch weniger Hunger, sind früher satt und interessanterweise ist auch das Craving für bestimmte Nahrungsmittel wie Süßigkeiten oft deutlich schwächer ausgeprägt“, erklärt der Stoffwechselexperte Kiefer. Als besonders erfolgreich im Kampf gegen Übergewicht erwies sich dabei der GLP-1 Agonist Liraglutid, welcher auch zur Behandlung von Adipositas zugelassen ist, wenn kein Diabetes vorliegt. Die Therapie sollte als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität eingesetzt werden.
Dass dieser Ansatz wirksam ist, belegen nicht nur die Studien, in denen von durchschnittlich knapp 10 % Gewichtsverlust berichtet wird, sondern auch Erfahrungen aus der täglichen Praxis. „Ich hatte auch schon Patienten, die in 4 Monaten 10–15kg mit dieser Therapie abgenommen haben. Insbesondere Patienten, die vorher viel zwischendurch gesnackt haben und wenig Kontrolle über ihr Essverhalten hatten, scheinen gut auf die Therapie anzusprechen“, erläutert Kiefer. Nebenwirkungen, die während der Therapie auftreten können, betreffen in erster Linie den Verdauungstrakt. Laut Kiefer kann es insbesondere in der Anfangsphase zu vorübergehender Übelkeit kommen, wobei diese meist ein Zeichen dafür ist, dass die Therapie effektiv ist.

Nachhaltige Effekte auf den Stoffwechsel
Dass die Gewichtsabnahme unter der GLP-1 Therapie auch langfristig positive Effekte hat, veranschaulichen Studienergebnisse, in denen dokumentiert wird, dass bei Patienten mit der Vorstufe Prädiabetes das Auftreten eines Typ 2 Diabetes verhindert werden kann. Darüber hinaus verbessern sich der Blutdruck und die Blutfette – zwei weitere wesentliche Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 
 
ÜBER DR. FLORIAN KIEFER


Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Florian Kiefer ist Oberarzt an der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universität Wien und Sekretär der Österreichischen Adipositas Gesellschaft sowie der Österreichischen Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel. Nach seinem Medizinstudium in Wien und Heidelberg führten ihn seine wissenschaftlichen Tätigkeiten an die Harvard University nach Boston, wo er intensiv an neuen Methoden zur Gewichtsreduktion forschte. Seit seiner Rückkehr nach Wien beschäftigt sich seine Forschungsgruppe insbesondere mit braunem Fettgewebe und Energiehaushalt. Aktuell leitet Kiefer die Ambulanz für Hormonelle Erkrankungen der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel im Allgemeinen Krankenhaus Wien.

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