Neue Studie zeigt große Wissenslücken rund um Fruchtbarkeit
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Österreich im Aufklärungsrückstand
Anlässlich der European Fertility Week 2025, die europaweit unter dem Motto „Facts Forward – Education and Information“ steht, zeigt eine aktuelle Studie der Patient:innenorganisation Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Forschungsinstitut TQS Research & Consulting, wie groß die Informationslücke in Österreich wirklich ist. Die Zahlen sind alarmierend: 83 % der Befragten fühlen sich über Fruchtbarkeit sowie Kinderwunschbehandlungen nicht ausreichend informiert, 89 % wünschen sich unabhängige und spezialisierte Beratungsstellen und 73 % würden eine Fruchtbarkeitsuntersuchung im Rahmen der Vorsorge in Anspruch nehmen. Gleichzeitig sprechen sich 77 % für die Anerkennung von Unfruchtbarkeit als Krankheit aus, während 84 % eine stärkere staatliche Förderung von Kinderwunschbehandlungen erwarten.
- 83 % der Befragten fühlen sich über Fruchtbarkeit sowie Kinderwunschbehandlungen nicht ausreichend informiert
- 89 % wünschen sich unabhängige und spezialisierte Beratungsstellen und mehr Aufklärung.
- 77 % fordern die Anerkennung von Unfruchtbarkeit als Krankheit.
- 71 % sprechen sich für Aufklärung im schulischen Kontext aus.
- 62 % sehen Unfruchtbarkeit als Tabuthema, 51 % nennen Scham als Hauptgrund.
- 63 % empfinden einen unerfüllten Kinderwunsch als emotional vergleichbar mit anderen großen Verlusten im Leben, etwa dem Tod eines Lebenspartners.
- 84 % sprechen sich für staatliche Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen aus.
Wie gut wissen Menschen in Österreich über ihre Fruchtbarkeit Bescheid? Dieser Frage ging die Patient:innenorganisation Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich gemeinsam mit dem unabhängigen Forschungsinstitut TQS Research & Consulting nach. Ziel der repräsentativen Umfrage ist es, das Bewusstsein rund um Fruchtbarkeit, Kinderwunschbehandlungen und reproduktive Gesundheit in Österreich sichtbar zu machen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Bildungslücke: Acht von zehn Österreicher:innen (83 %) fühlen sich über gesetzliche Regelungen, medizinische Möglichkeiten und Fragen der Fruchtbarkeit nicht ausreichend informiert. 89 % wünschen sich unabhängige, spezialisierte Beratungsstellen, 71 % Aufklärung bereits im schulischen Kontext und 73 % würden eine Fruchtbarkeitsuntersuchung im Rahmen der Vorsorge in Anspruch nehmen. Damit wird klar, dass fehlende Aufklärung kein Randthema ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Während in der europäischen Diskussion Aufklärung und Fertility Education längst als Schlüsselfaktoren gelten, fehlt es in Österreich an systematischer Vermittlung, in Schulen sowie in der Gesundheitskommunikation.
Vor diesem Hintergrund betont Christina Fadler, Obfrau von Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich, wie entscheidend Bildung für das Verständnis und die Enttabuisierung des Themas ist.
„Wer nichts über Fruchtbarkeit weiß, kann auch keine Entscheidungen treffen. Ohne Wissen gibt es keine Wahl und ohne Bildung keine Chance, rechtzeitig Unterstützung zu bekommen. Bildung über Fruchtbarkeit ist keine Privatsache, sondern eine gesundheitspolitische Aufgabe. Sie entscheidet darüber, ob Unfruchtbarkeit endlich als das verstanden wird, was sie ist: eine Krankheit.“
Bildung ist der erste Schritt zur Anerkennung
Die aktuelle Studie zeigt deutlich, dass die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung Veränderungen erwartet: 77 % fordern, dass Österreich der WHO folgt und Unfruchtbarkeit als Krankheit anerkennt. 83 % sprechen sich dafür aus, dass Menschen mit Unfruchtbarkeit die gleichen Rechte auf medizinische Unterstützung haben sollten wie andere Patient:innen. 74 % sind der Meinung, dass Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit fixer Bestandteil von schulischer Bildung, Aufklärungskampagnen und Vorsorge sein müssen. Die Ergebnisse zeigen, dass fehlende Aufklärung längst zu einem gesundheitspolitischen Problem geworden ist. Bildung schafft das Bewusstsein, politische Anerkennung den Rahmen, beides ist Grundvoraussetzung, damit reproduktive Gesundheit in Österreich als Teil einer modernen Gesundheitspolitik verstanden wird.
Wissen gegen das Schweigen
Trotz der großen Zustimmung zu mehr Aufklärung bleibt Unfruchtbarkeit in Österreich ein Thema, über das kaum gesprochen wird. Sechs von zehn Befragten (62 %) empfinden sie als gesellschaftliches Tabu, und mehr als die Hälfte (51 %) nennt Scham oder Peinlichkeit als Hauptgrund dafür. Dieses Schweigen hat Folgen, für Betroffene ebenso wie für die öffentliche Wahrnehmung. Zwei Drittel der Betroffenen (65 %) fühlen sich durch den unerfüllten Kinderwunsch stark psychisch belastet, 72 % berichten Phasen von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und depressiven Verstimmung, rund 77 % sagen, ihr Umfeld nehme ihre Situation nicht ernst und 63 % empfinden einen unerfüllten Kinderwunsch als emotional vergleichbar mit anderen großen Verlusten im Leben, etwa dem Tod eines Lebenspartners.
„Durch das große Tabu und die Scham rund um den Kinderwunsch fehlt in Österreich eine politische und öffentliche Debatte, die Betroffene miteinbezieht. Viele erleben ihren unerfüllten Kinderwunsch als private Last, nicht als gesundheitliche Herausforderung, für die es gesellschaftliche Strukturen und politische Verantwortung braucht. Erst wenn Bildung, Aufklärung und öffentliche Diskussion selbstverständlich werden, kann das Schweigen gebrochen werden und Menschen ihre reproduktiven Rechte wahrnehmen“, sagt MMag. Christina Fadler, Obfrau von Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich.
Fertility Education als gesundheitspolitischer Auftrag
Die European Fertility Week 2025 steht unter dem Motto „Facts Forward – Education and Information“ und ruft europaweit dazu auf, Fruchtbarkeitswissen in Bildung und Gesundheitskommunikation zu verankern. Die österreichischen Ergebnisse zeigen, wie wichtig dieser Auftrag ist: Aufklärung schafft das Bewusstsein, politische Anerkennung den Rahmen. Eine breite Mehrheit erwartet beides. 84 % sprechen sich für aktive Unterstützung in Form von Förderprogrammen, Aufklärung und passenden Rahmenbedingungen aus, 60 % sehen die Förderung reproduktiver Gesundheit und die Stabilisierung der Geburtenrate als staatliche Aufgabe. Damit soll gewährleistet werden, dass Menschen selbstbestimmt über ihren Körper und damit auch über ihren Kinderwunsch entscheiden können.
„Auch die derzeitige Debatte über den gestaffelten Mutterschutz zeigt, wie wenig Wissen es über Unfruchtbarkeit und Schwangerschaftsverluste in Österreich gibt. Die Realität vieler Patientinnen ist leider, dass ein angemessener Krankenstand nicht selbstverständlich ist, weder vor der 13. Schwangerschaftswoche noch danach. Die psychische Belastung steigt jedoch, je länger der Kinderwunsch andauert“, so Christina Fadler. „Meine eigene Kinderwunschzeit mit jahrelanger Hormonbehandlung und mehreren künstlichen Befruchtungen hat mich an psychische Grenzen gebracht. Und so geht es vielen Frauen und Paaren, die über Jahre versuchen, ein Kind zu bekommen“, ergänzt MMag. Christina Fadler, Obfrau von Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich.
Nur wenn Wissen und politische Verantwortung zusammengedacht werden, kann Unfruchtbarkeit als das verstanden und behandelt werden, was sie ist: eine Krankheit.