Gefährliches Erbe: Risikofaktor hohes Cholesterin

Gefährliches Erbe: Risikofaktor hohes Cholesterin

Foto: “v.l.: Lena-Rosa Hanauer (von Familiärer Hypercholesterinämie Betroffene), Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm (Präsident des ÖAIE und Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde), Hon. Prof. PhDr. Sven-David Müller, M.Sc.(staatlich geprüfter Diätassistent und Diabetesberater der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Medizinjournalist, Moderator und Buchautor), Ass.-Prof. Dr. Rhoia Clara Neidenbach, BSc. M.Sc. (Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Universität Wien), Dr. Oliver Helk (Vizepräsident des ÖAIE und Ernährungsmediziner), Peter Lehner (Obmann Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen)” / Fotocredit: © Himmelhoch / Quelle: © ÖAIE

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Früherkennung und Prävention retten Leben

 

Das Risiko erhöhter LDL-Cholesterinwerte birgt die die Gefahr schwerer Folgeerkrankungen – vor allem für Menschen, bei denen erhöhtes Cholesterin genetisch bedingt ist. Obwohl einer von 250 Menschen davon betroffen ist, bleiben davon 90 % unentdeckt und damit auch unbehandelt. Auf ihrem diesjährigen Symposium zu familiären Fettstoffwechselstörungen rückt das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) die Themen Früherkennung und Prävention in den Fokus. Rechtzeitig erkannt – idealerweise bereits im Kindesalter – kann diese genetische Condition gut behandelt und schwere Folgeerkrankungen verhindert werden. Eine Therapie muss neben Medikamenten immer eine Adaption des Lifestyles in Bezug auf Ernährung und Bewegung umfassen. Auch die Forschung macht Grund zur Hoffnung: Neue Therapien stehen kurz vor der Zulassung.

Die Familiäre Hypercholesterinämie ist eine genetische Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit, nach dem etwa 40. Lebensjahr an manifester Arteriosklerose mit Folgen wie Herzinfarkt, Stenokardie sowie koronaren Gefäßerkrankungen zu erkranken. In Österreich ist einer von 250 Menschen betroffen, doch die Dunkelziffer ist hoch: Ca. 90 % der betroffenen Personen bleiben unentdeckt. Dabei ist eine Frühdiagnostik relativ leicht möglich – und schon vor dem 10. Lebensjahr am sinnvollsten. Neben der Bestimmung des LDL-Cholesterinwerts sind die Familienanamnese wie Hypercholesterinämie in der nächsten Verwandtschaft entscheidende Indikatoren. Bei entsprechender Diagnose sollte die medikamentöse Therapie schon im frühen Kindesalter beginnen. Wie Langzeitstudien zeigen, kann das Fortschreiten der Arteriosklerose durch frühzeitige Behandlung verhindert werden. „Die Therapie inkludiert immer den Lifestyle: Ernährung und Bewegung sind die Basis jeder Behandlung, erst dann werden Medikamente eingesetzt, diese sind aber heute sehr erfolgreich und kaum mit Nebenwirkungen behaftet“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE.

 

Prävention verhindert hohe Folgekosten

Frühe Präventionsmaßnahmen sind nicht nur für die Gesundheit der Betroffenen wichtig, sondern entlasten auch unser Gesundheitssystem und vermeiden teure Folgeschäden. Peter Lehner, Obmann der Sozialversicherung der Selbstständigen, unterstützt die Forderung nach mehr Prävention: „Die SVS treibt konsequent die Präventionstransformation voran, bietet ein umfangreiches Angebot und schafft Anreize, um die Akzeptanz zu steigern. Für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren haben wir den Gesundheitscheck Junior entwickelt. Ziel ist es, frühzeitig mögliche gesundheitliche Probleme und Risiken zu entdecken und diese erfolgreich behandeln zu können. Dieses Angebot wird jährlich von rund 16.000 jungen Menschen angenommen.“

 

Ernährung als wichtiges Element der Therapie

Bei genetisch bedingten Veränderungen der Blutfettwerte können Medikamente eine Lebensstiländerung nicht ersetzen – ebenso wenig macht eine gesündere Ernährung oder mehr Bewegung Medikamente überflüssig. Vielmehr ergänzen sich Lifestylemodifikation und Lipidsenker besonders wirksam, auch bei Kindern und Jugendlichen. „Der Mythos, Eier würden die Blutfettwerte erhöhen, hält sich hartnäckig. Dabei kann ein moderater Konsum von bis zu einem Ei täglich bei gesunden Menschen sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle um 29 Prozent senken“, zeigt Medizinjournalist und Buchautor Hon. Prof. PhDr. Sven-David Müller auf. Aktuelle Studien zeigen, dass das Nahrungscholesterin aus Hühnereiern nicht Auslöser einer Erhöhung des schlechten Cholesterins ist, sondern vielmehr ein übermäßiger Konsum von bestimmten gesättigten Fettsäuren, die insbesondere in Butter, Speck oder fettreicher Wurst und Käse vorkommen. „Eine vegan orientierte nachhaltige Ernährungsweise ist gut für den Menschen und seine Gesundheit sowie den Planeten Erde“, betont Müller.

 

Schutz durch regelmäßige Bewegung

„Sport und Bewegung nehmen eine Schlüsselrolle für Prävention, Therapie und langfristiger Gesundheitsförderung bei Familiärer Hypercholesterinämie ein“, betont Ass.-Prof. Dr. Rhoia Clara Neidenbach vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Gefäßfunktion, stärkt das Herz-Kreislauf-System und kann dazu beitragen, krankhafte Veränderungen hinauszuzögern. Ein Beginn im Kindesalter hat einen langfristigen protektiven Effekt und unterstützt die kardiovaskuläre Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg. „Überprotektives Verhalten von Eltern aus Sorge um die Sicherheit der Kinder kann unbeabsichtigt zu Bewegungsarmut führen. Diese stellt jedoch einen eigenständigen Risikofaktor dar und sollte gezielt vermieden werden“, rät die Expertin. Bewegung ist für Kinder und Erwachsene mit familiärer Hypercholesterinämie in der Regel sicher und ausdrücklich empfohlen, dabei ist die langfristige Gewohnheit wichtiger als die Intensität. Schon regelmäßige moderate Bewegung wie 60 Minuten täglich bei Kindern oder 150 Minuten pro Woche bei Erwachsenen ist ausreichend und sehr wirksam.

 

Zusätzlicher Risikofaktor: Lipoprotein(a) rückt in den Fokus

Das Bluttfett Lipoprotein(a), kurz Lp(a), fällt zwar traditionell nicht unter die Diagnose einer Familiären Hypercholesterinämie, dennoch ist es für Betroffene sinnvoll auch diesen Wert im Blick zu haben. Lp(a) ist ein zusätzlicher hoher Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, ist dieses erhöht, müssen alle anderen Risikofaktoren wie LDL-Cholesterin, Blutdruck oder Blutzucker perfekt eingestellt werden, um das Gesamtrisiko zu kompensieren. „Lp(a) ist – anders als das LDL-Cholesterin – kaum durch Ernährung oder Sport beeinflussbar und es gibt aktuell keine Medikamente um es zu senken. Doch wir stehen kurz vor der Marktreife gezielter Therapien, die Lp(a) direkt senken können. Das macht eine frühzeitige Identifikation der Betroffenen heute wichtiger denn je“, erklärt Ernährungsmediziner Dr. Oliver Helk, Vizepräsident des ÖAIE. In Österreich weiß allerdings der Großteil der Betroffenen nichts von ihrem Risiko, da Lp(a) im Standard-Blutbild meist nicht enthalten ist.

 

Das Symposium des ÖIAE verfolgt das klare Ziel, das Bewusstsein bei Ärzt:innen und Patient:innen zu schärfen. Ein einmaliger Test im Leben reicht aus, um das genetische Risiko zu bestimmen. Angesichts der hohen Dunkelziffer in Österreich fordern Experten eine breitere Integration der Lp(a)-Messung in die Vorsorgeuntersuchungen. „Wir können die Genetik eines Patienten (noch) nicht ändern, aber wir können verhindern, dass sie zur tickenden Zeitbombe wird. Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist der Startschuss für eine kompromisslose Optimierung aller anderen Risikofaktoren“, so Widhalm abschließend.

 

www.oeiae.org

https://institut-schmelz.univie.ac.at/ 

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