„Trauer ist die Lösung, nicht das Problem.“ (Chris Paul) – Über den Umgang mit Verlust
@frauenbusinessatalexa | Wien/Münchendorf, September 2025 | Werbung.Unbezahlt.
Trauer ist kein Störfaktor, den man möglichst schnell hinter sich bringen sollte. Sie ist der Schlüssel, um Verlust zu verarbeiten. Davon ist Judith Gahleitner überzeugt. Die Radiologietechnologin und Lebens- und Sozialberaterin mit Schwerpunkt Trauerbegleitung und Psychoonkologie weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung: Wer Gefühle wie Wut, Schuld oder Ohnmacht verdrängt, blockiert sein Leben. Ihre Botschaft lautet: Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung – und verdient ihren Platz in unserer Gesellschaft.
In einer Gesellschaft, die Jugend, Schönheit und Gesundheit nahezu vergöttert, wird der Tod gerne verdrängt. Krankheit, Sterben und Trauer gelten als unerwünschte Störungen. Doch genau darin liegt ein gefährlicher Irrtum, meint Judith Gahleitner: „Trauer beruhigt. Sie ist der natürliche Weg, Verlust zu verarbeiten. Wer sie wegschiebt, läuft Gefahr, innerlich stillzustehen.“
Die 55-Jährige Radiologietechnologin und Lebens- und Sozialberaterin (LSB) beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit den existenziellen Fragen von Leben und Tod. Bereits mit 13 Jahren las sie das Buch „Leben nach dem Tod“ von Raymond Moody – eine Lektüre, die sie nachhaltig prägte. „Schon damals wollte ich wissen: Was ist der Tod? Ist danach wirklich Schluss? Und was macht das mit dem Sinn des Lebens?“, erzählt sie. Diese Fragen begleiten die zweifache Mutter bis heute.
Nach der Matura entschied sich Gahleitner zunächst für ein Medizinstudium und absolvierte anschließend die Ausbildung zur Radiologietechnologin. Parallel baute sie ihr zweites berufliches Standbein auf: die Lebens- und Sozialberatung mit Schwerpunkt Trauerbegleitung und Psychoonkologie. Ihre ersten prägenden Erfahrungen sammelte sie bereits als junge Frau im Mobilen Caritas Hospiz. „Damals wurde mir klar, was im Leben wirklich zählt – und dass ich schwere Themen aushalten kann.“
Im kommenden Jahr übernimmt sie die Leitung eines Expertenpools aus LSBs an der Akademie für Angewandte Zukunftsbildung (AAZB) – auch um Trauer, Verlust und Resilienz gemeinsam mit 25 Kolleg:innen weiterzuentwickeln.
Trauer braucht Zeit und Raum
In ihrer Arbeit erlebt Judith Gahleitner täglich, wie groß die Versuchung ist, Schmerz zu verdrängen. Doch Heilung geschieht erst, wenn Gefühle ausgesprochen und zugelassen werden dürfen. „Trauer ist nie allein. Sie ist stets begleitet – sei es mit Wut, Schuld oder Ohnmacht. Wenn wir darüber sprechen, wagen es die meisten, sich zu öffnen.“
Besonderen Wert legt sie auf Orientierung. „Zu Beginn ist es wichtig, den Standort festzulegen – ähnlich wie bei einem Navi. Wenn ich nicht weiß, wo ich bin, kann mich kein Weg ans Ziel führen.“ Sie stellt gezielte Fragen wie: Was darf ich zurücklassen? Was darf ich neu beginnen? Die oft gehörte Frage nach dem „Positiven“ einer Verlustsituation lehnt sie strikt ab: „Diese Haltung verkennt den Schmerz und nimmt Betroffenen den Raum, den sie so dringend brauchen.“
Klarheit statt Nebelwand
Für Gahleitner ist Ehrlichkeit entscheidend, auch wenn sie weh tut. „Wenn ich in eine Nebelwand schaue und nicht weiß, ob dahinter eine Schlucht liegt, kann ich keine sicheren Schritte setzen. Erst wenn ich die Realität erkenne, kann ich bewusst handeln.“ Diese Haltung hilft ihren Klient:innen, Blockaden zu überwinden und innerlich wieder beweglich zu werden.
Ihre Methode ist geprägt von Geduld und Respekt. Sie setzt nichts voraus, fragt nach, hört zu. „Wenn jemand blockiert, reiße ich nichts auf. Aber wenn ich spüre, dass wir an einer Stelle festhängen, spreche ich es an und frage nach dem, was gerade gebraucht wird.“ Oft treten dabei alte, unverarbeitete Gefühle zutage – etwa das Empfinden, als Jugendliche von den Eltern im Stich gelassen worden zu sein. „Es darf da sein. Es braucht seinen Raum und seine Zeit.“
Klare Grenzen, klare Rolle
So viel Vertrauen ihre Arbeit schafft – Judith Gahleitner zieht eine klare Grenze: „Als Lebens- und Sozialberaterin darf ich keine Diagnosen stellen. Auch wenn ich eine Vermutung habe, das ist Aufgabe von Ärzten und Therapeuten. Meine Verantwortung ist es, Raum zu öffnen und zu halten.“
Ihre Botschaft ist einfach und radikal zugleich: Trauer darf nicht an den Rand gedrängt werden. Sie ist nicht das Ende, sondern der Weg zurück ins Leben.