Homeoffice-Gesetz: Mazars sieht kleinen Schritt, aber keinen großen Wurf
[Werbung]*Unbezahlt
Mehr als 40.000 freie Dienstnehmer*innen gehen leer aus;
Pauschalbetrag entspricht nicht den tatsächlichen Kosten;
Kein Ende für „Zettelsucherei“.
Als „ersten Schritt in die richtige Richtung, aber keinen großen Wurf“, bewertet Peter Wundsam, Managing Partner des Steuerberatungsunternehmens Mazars Austria das gestern, Dienstag, in Begutachtung geschickte Homeoffice-Gesetz. Hauptkritikpunkte: Durch die nach wie vor „geradezu prohibitive“ steuerliche Definition des Arbeitszimmers profitieren freie Dienstnehmer*innen und Gewerbetreibende gar nicht vom Gesetz. Dazu kommt: Drei Euro Pauschalbetrag pro Tag Homeoffice (für maximal 100 Tage) würden die tatsächlichen anteiligen Mehrkosten für Miete, Heizung oder Strom nicht abdecken. Und: Da Arbeitgeber die Homeoffice-Tage der Mitarbeiter*innen erfassen müssen, gibt es einen Mehraufwand in der Lohnverrechnung.
„Dafür, dass es von der ersten Ankündigung bis zum Gesetzesentwurf fast ein Jahr gedauert hat, hätte ich mir persönlich ein mutigeres Homeoffice-Gesetz erwartet“, sagt Peter Wundsam, Managing Partner bei Mazars Austria. Sein Vorschlag: 100 Euro Pauschale pro Monat für Arbeitnehmer*innen, die jeden Tag im Homeoffice arbeiten – sonst gibt es den aliquoten Teil für tatsächliche Homeoffice-Tage.
Die steuerrechtlichen Kritikpunkte im Detail:
- Arbeitszimmer: Nützt ein*e Arbeitnehmer*in ein Arbeitszimmer zu mehr als fünf Prozent privat, werden Ausgaben dafür vom Finanzamt nicht anerkannt. Diese prohibitive Definition wird durch den Gesetzesentwurf nicht verändert.
- Drei Euro pro Tag decken die tatsächlichen Mehrkosten durch Homeoffice nicht.
- Arbeitnehmer*innen konnten schon bisher Werbungskosten bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend machen – hier gibt es keine Verbesserung, das „Belegesammeln“ geht weiter.
- Kein Ende der „Zettelwirtschaft“ in der Lohnverrechnung: Arbeitgeber*innen müssen die Homeoffice-Tage der Arbeitnehmer*innen erfassen.
Positiv wertet Wundsam, dass die Steuerfreiheit für Homeoffice auch für Sozialversicherung, Kommunalsteuer und Dienstgeberbeitrag gelten und der Versicherungsschutz ausgedehnt wurde.
Über Mazars in Österreich
Mazars Austria ist eine der größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzleien in Österreich mit Standorten in Wien und Krems. Seit dem Zusammenwachsen mit Moore Stephens City Treuhand GmbH Anfang 2020 ist Mazars ein stetig wachsendes Unternehmen mit acht Geschäftsführern und 180 MitarbeiterInnen. Mazars Austria ist eingebunden in eine internationale Partnerschaft aus 40.000 MitarbeiterInnen in 91 Ländern.