ProFem: Wenn Hormone aus dem Gleichgewicht geraten – Weibliche Intimgesundheit im Fokus

ProFem: Wenn Hormone aus dem Gleichgewicht geraten – Weibliche Intimgesundheit im Fokus

Foto: “DDr. Marion Noe möchte mehr Aufklärung im Bereich der Frauengesundheit erreichen” / Fotocredit & Quelle: © Yield

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Trockenheit, Brennen oder wiederkehrende Infektionen kennen viele Frauen, oft ohne zu wissen, was dahintersteckt. Häufig liegt die Ursache in einem sensiblen Zusammenspiel aus Hormonen, Immunsystem und Vaginalflora. Besonders prägende Lebensphasen wie Pubertät, Stillzeit oder Wechseljahre verändern das vaginale Mikrobiom erheblich. Doch auch Stress, Ernährung oder Reisetätigkeiten können das empfindliche Gleichgewicht beeinflussen. Das erklärt DI DDr. Marion Noe, Gynäkologin und Gründerin der ProFem GmbH, die sich auf Frauengesundheit spezialisiert hat.

Weibliche Hormone spielen eine zentrale Rolle für eine gesunde Vaginalflora. „In der ersten Zyklushälfte fördert Östrogen den Aufbau der Vaginalschleimhaut, in der Glykogen gespeichert wird. Dieses dient Milchsäurebakterien als wichtiger Nährstoff, damit Milchsäure entstehen kann, die den pH-Wert stabilisiert und die Vaginalflora schützt”, erklärt die Wiener Gynäkologin, DI DDr. Noe. 

„In der zweiten Zyklushälfte steigt der Progesteronspiegel an, was das Immunsystem vorübergehend dämpft. Das ist biologisch sinnvoll: Sollte eine Befruchtung stattgefunden haben, verhindert diese Immunsuppression, dass der Körper den Embryo abstößt.” Eine Nebenwirkung davon ist jedoch, dass in dieser Phase Infektionen leichter auftreten können. Das Mikrobiom der Vagina ist sehr ein sensibles Gleichgewicht. 

 

Lebensphasen und Veränderungen 

Die Vaginalflora verändert sich nicht nur im Laufe des Zyklus, sondern auch in verschiedenen Lebensabschnitten. „Vor der Pubertät, wenn kaum Östrogen vorhanden ist, wird die Vagina vor allem von Haut- und Darmkeimen besiedelt. In den Wechseljahren führt der Östrogenrückgang zur Reduktion von Milchsäurebakterien und wieder zu einer vorwiegenden Besiedelung mit Haut- und Darmkeimen und damit zu einer erhöhten Anfälligkeit für Reizungen und Infektionen. Während der Stillzeit, wenn häufig kein Eisprung stattfindet, verhält sich das Mikrobiom ähnlich wie in der Menopause”, erklärt Marion Noe und beschreibt damit einige Phasen, in der sich das Vaginalmikrobiom anders zusammensetzt und besondere Herausforderungen hat. 

 

Typische Beschwerden und Risiken 

Diese hormonellen Veränderungen können sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen: veränderter Ausfluss, unangenehmer Geruch, Juckreiz, Brennen, Trockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind häufige Symptome. 

„Medizinisch betrachtet stehen diese Beschwerden im Zusammenhang mit bakterieller Vaginose, Entzündungen oder Pilzinfektionen. Fehlbesiedlungen und Ungleichgewichte des Scheidenmilieus sind weit verbreitet, weltweit sind jährlich rund 500 Millionen Frauen betroffen”, sagt die Gynäkologin. 

 

Alltagseinflüsse: Stress, Ernährung, Reisen 

Neben Hormonen können auch externe Faktoren das Gleichgewicht der Vaginalflora stören. Stress schwächt das Immunsystem zusätzlich und kann Beschwerden verstärken. Auch die Ernährung spielt eine Rolle: Stark verarbeitete Lebensmittel gelten als möglicher Belastungsfaktor, während eine ballaststoffreiche Kost eine gesunde Darmflora und damit auch eine gesunde Umgebung im Intimbereich fördert. 

In den Sommermonaten rückt häufig auch das Thema Reisen in den Fokus. Wärme und Feuchtigkeit begünstigen zwar grundsätzlich das Bakterienwachstum, doch diese Faktoren allein bringen eine gesunde Vaginalflora nicht gleich zum Kippen. Allerdings können sie einen Beitrag zu einer weiteren Verschiebung in einen ungünstigeren Bereich leisten.  

 

Wenn es ernst wird 

Die Auswirkungen eines bakteriellen Ungleichgewichts können weit über alltägliche Beschwerden hinausgehen. „Eine gestörte Vaginalflora kann die Empfindlichkeit gegenüber Infektionen mit HPV-Viren erhöhen – und damit die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs fördern, aber auch die Fruchtbarkeit herabsetzen und Fehl- und Frühgeburten begünstigen. Gezielte, regelmäßige Screenings würden hier Abhilfe schaffen, sind jedoch leider nicht generell vorgesehen, obwohl der Nutzen enorm wäre”, so Noe. Eine stärkere Enttabuisierung des Themas und breitere Aufklärung seien entscheidend, damit Beschwerden nicht verharmlost oder zu spät behandelt werden. 

 

Fazit 

Die Vaginalflora reagiert empfindlich auf hormonelle Veränderungen und äußere Einflüsse. Beschwerden sind häufig und oft Ausdruck eines gestörten Gleichgewichts. Aufklärung, Prävention und ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper sind daher wichtiger denn je.

 

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